top of page
foto1.jpg

Darf es etwas unleserlich sein?
Mehr oder weniger
kaputt, oder genügt schon ein Weniges an Verfremdung?

Egal — einfach mal die „guten alten Regeln” der Typografie vergessen… 
…und siehe da: schon macht die Sache
Spaß.

Dekonstruktivistische
Schriften

deconstruct_defonte.png
…zum Beispiel 

DeFonte

Eine Art „Helvetica – 
durch den Blur-Filter“
verschlimmbessert

Die zugrunde liegende Schrift ist die einzig wirkliche Aller­welts­schrift des 20. Jahr­hunderts, die „Helvetica“. Das verfrem­dende Prinzip simuliert den photo­graphischen Effekt der Über­strahlung beziehungs­weise der Überbelichtung.

Der magere Schnitt DeFonte Léger zerbricht fast an den dünnen Stellen, während dort, wo Striche aufeinander­treffen oder sich kreuzen, Verdunkelungen stehen bleiben. Die Buch­staben sind von der inneren und äusseren Helligkeit „angefressen“.

Bei den normalen und halb­fetten Schnitten DeFonte Normale und DeFonte DemiGras beschränkt sich der Effekt nahezu auf die Strichenden und Ecken, die stark abgerundet erscheinen.
Besonders reizvoll ist die fette Version DeFonte Gros. Durch „Über­belichtung“ laufen Binnen­formen zu, verschwimmen Buch­staben zu Flecken; es entstehen aber wieder neue charak­ter­isti­sche Formen, die erstaunlich gut lesbar sind.

deconstruct_deforme.png
…zum Beispiel

DéFormé

Irgendwo zwischen
Westernschrift
und Schreibmaschine

Die DéFormé entstand aus der Ver­fremdung der alt­ehr­würdi­gen „Clarendon“. Dabei wurden einfach die Grund- und Haar­striche an vielen Stellen vertauscht.
Dieses Prinzip wurde nach mehr oder weniger logischen Massgaben ange­wendet. So entstand eine Schrift, die manchen an eine Western­schrift erinnert, andere an eine Schreib­ma­schinen-Type. Tatsächlich ist es immer noch die robuste „Clarendon“, die auch diese Verun­staltung noch recht gut über­standen hat.

So bewährt sich das ursprüng­liche Anliegen einer alle (nicht nur techni­schen) Unzu­läng­lich­keiten abfedernden Alltagstype. Die DéFormé ist wie ihre Vorlage gut lesbar, trotz der gegen alle Sehge­wohnheit ausge­führten Betonungen. Sie ergibt sehr eigen­willige Wortbilder. Vermutlich weil sie auf einer klassischen Schrift beruht, hat sie die Mode der „zerstörten”, „dekonstruk­tivi­stischen” Schriften ohne Schaden überlebt.

deconstruct_depixel.png
…zum Beispiel

DePixel

Ideal für „pixlige“ Themen

Während alle Welt vom Fortschritt redet, hatte eben­dieser zur Folge, dass Schrift am Bild­schirm zu einem pixeligen lese­feind­lichen Etwas degeneriert ist.  
Die
DePixel basiert auf den von Apple Computer ent­wickelten Bildschirm­schriften „Geneva“ und „Chicago“.

Die DePixel Illegible übertreibt den Pixel­effekt. Auch sie ist aus einzel­nen Pixeln aufgebaut, aber eben nicht aus ausreichend vielen. Dazu kommt der aus dem frühen Internet bekannte Effekt der „verloren­gegang­enen Pixel“.

Die DePixel Illegible ist aber nicht wirklich unlesbar. Ihre Formen wurden nur mit Bedacht zerstört.

Ein gut lesbares Alphabet muss dagegen mindestens 9 Pixel hoch sein: 5 für die Mittel­höhen, und je 2 für Ober- und Unter­längen. Diesen Massen ent­spricht die DePixel Klein.
Theoretisch lässt sich so jede beliebige Schrift­form „digitali­sieren“. Die Reduktion auf die kleinsten Elemente hat ihren Reiz in dem Wider­spruch zwischen den technisch möglichen exaktesten Vektor­zeich­nungen und dem primi­tiven Aufbau aus „Bauklötzchen“.

deconstruct_dekunst.png
…zum Beispiel

DeKunst

Eine dekonstruktivistische
Spielerei mit positiv\negativ-Effekten

Neue, dem Buchstaben fremde Formen überlagern sich mit den bekannten Umrissen.
Selbstähnliche Formen und Spiegelungen verleihen manchen Buchstaben eine ornamentale Wirkung. Geometrische Spielereien erinnern manchmal an Kurt Schwitters, zufällige amorphe Formen lassen an Hans Arp denken. Und doch ist jedem Buchstaben das zu seiner Lesbarkeit Wesentliche geblieben. Ähnlich phantasie­voll entwarfen schon die Illuminatoren der mittel­alterlichen Handschriften ihre Zier­initialen.

 

Die DeKunst ist ein echtes Kind der PostScript-Zeit. 
Seitdem Schriften nicht mehr mit Pinsel und Feder entworfen werden, ist es – technisch bedingt – üblich geworden, die Buchstaben durch Vektoren zu beschreiben. Sie werden durch eine die Binnen- und Aussenform des Buchstabens beschreibende Umriss­linie und ihre Füllung definiert.
Die
DeKunst entstand durch Verformen und überlagern dieser Linien und Flächen.

deconstruct_gridster.png
…zum Beispiel

GRIDSTER

Dekonstruktivistisch
konstruierte
Buchstaben

Auch der Dekonstruktivismus funktio­niert nach Regeln. Sie sind nur anders. Entsprechend muss ein Gestaltungs­raster nicht auf einem gleich­mässigen Muster beruhen, es kann auch nach ganz anderen Gesetz­mässig­keiten aufgebaut sein.
Buch­staben lassen sich in einem Raster dar­stellen. Die diversen Anzeige­systeme in Verkehrs­mitteln kennt man, auch Schablo­nen­schriften sind nach erkenn­baren Mustern konstru­iert, und am bekannt­esten dürften die Pixel­schriften aus der Computer-Früh­zeit sein, die ganz simpel aus kleinen Quadraten aufge­baut sind.
 

Aber man kann das auch ganz anders umsetzen. Nicht so regel­mässig, nicht so stur nach nur einem einzigen einfa­chen Wieder­holungs­prinzip. Wie wär’s mit ein paar Schrägen?  Oder mit unterschiedlichen Abständen?

Die GRIDSTER beruht auf einem Raster, das eher einem geo­metri­schen Teppich­muster ähnelt als einem Gestal­tungs­raster. Es wirkt noch halb­wegs geordnet, aber es führt zu eigenwilligen Formen, will man daraus so etwas vermeint­lich Festge­fügtes wie die lateini­schen Buchstaben formen.

Wenn es also nicht unbedingt lesbar sein soll … warum denn nicht…?

Dekonstrukt.png

DEKONSTRUKT

bottom of page