

…zum Beispiel
DeFonte
Eine Art „Helvetica –
durch den Blur-Filter“
verschlimmbessert
Die zugrunde liegende Schrift ist die einzig wirkliche Allerweltsschrift des 20. Jahrhunderts, die „Helvetica“. Das verfremdende Prinzip simuliert den photographischen Effekt der Überstrahlung beziehungsweise der Überbelichtung.
Der magere Schnitt DeFonte Léger zerbricht fast an den dünnen Stellen, während dort, wo Striche aufeinandertreffen oder sich kreuzen, Verdunkelungen stehen bleiben. Die Buchstaben sind von der inneren und äusseren Helligkeit „angefressen“.
Bei den normalen und halbfetten Schnitten DeFonte Normale und DeFonte DemiGras beschränkt sich der Effekt nahezu auf die Strichenden und Ecken, die stark abgerundet erscheinen.
Besonders reizvoll ist die fette Version DeFonte Gros. Durch „Überbelichtung“ laufen Binnenformen zu, verschwimmen Buchstaben zu Flecken; es entstehen aber wieder neue charakteristische Formen, die erstaunlich gut lesbar sind.

…zum Beispiel
DéFormé
Irgendwo zwischen
Westernschrift
und Schreibmaschine
Die DéFormé entstand aus der Verfremdung der altehrwürdigen „Clarendon“. Dabei wurden einfach die Grund- und Haarstriche an vielen Stellen vertauscht.
Dieses Prinzip wurde nach mehr oder weniger logischen Massgaben angewendet. So entstand eine Schrift, die manchen an eine Westernschrift erinnert, andere an eine Schreibmaschinen-Type. Tatsächlich ist es immer noch die robuste „Clarendon“, die auch diese Verunstaltung noch recht gut überstanden hat.
So bewährt sich das ursprüngliche Anliegen einer alle (nicht nur technischen) Unzulänglichkeiten abfedernden Alltagstype. Die DéFormé ist wie ihre Vorlage gut lesbar, trotz der gegen alle Sehgewohnheit ausgeführten Betonungen. Sie ergibt sehr eigenwillige Wortbilder. Vermutlich weil sie auf einer klassischen Schrift beruht, hat sie die Mode der „zerstörten”, „dekonstruktivistischen” Schriften ohne Schaden überlebt.

…zum Beispiel
DePixel
Ideal für „pixlige“ Themen
Während alle Welt vom Fortschritt redet, hatte ebendieser zur Folge, dass Schrift am Bildschirm zu einem pixeligen lesefeindlichen Etwas degeneriert ist.
Die DePixel basiert auf den von Apple Computer entwickelten Bildschirmschriften „Geneva“ und „Chicago“.
Die DePixel Illegible übertreibt den Pixeleffekt. Auch sie ist aus einzelnen Pixeln aufgebaut, aber eben nicht aus ausreichend vielen. Dazu kommt der aus dem frühen Internet bekannte Effekt der „verlorengegangenen Pixel“.
Die DePixel Illegible ist aber nicht wirklich unlesbar. Ihre Formen wurden nur mit Bedacht zerstört.
Ein gut lesbares Alphabet muss dagegen mindestens 9 Pixel hoch sein: 5 für die Mittelhöhen, und je 2 für Ober- und Unterlängen. Diesen Massen entspricht die DePixel Klein.
Theoretisch lässt sich so jede beliebige Schriftform „digitalisieren“. Die Reduktion auf die kleinsten Elemente hat ihren Reiz in dem Widerspruch zwischen den technisch möglichen exaktesten Vektorzeichnungen und dem primitiven Aufbau aus „Bauklötzchen“.

…zum Beispiel
GRIDSTER
Dekonstruktivistisch
konstruierte
Buchstaben
Auch der Dekonstruktivismus funktioniert nach Regeln. Sie sind nur anders. Entsprechend muss ein Gestaltungsraster nicht auf einem gleichmässigen Muster beruhen, es kann auch nach ganz anderen Gesetzmässigkeiten aufgebaut sein.
Buchstaben lassen sich in einem Raster darstellen. Die diversen Anzeigesysteme in Verkehrsmitteln kennt man, auch Schablonenschriften sind nach erkennbaren Mustern konstruiert, und am bekanntesten dürften die Pixelschriften aus der Computer-Frühzeit sein, die ganz simpel aus kleinen Quadraten aufgebaut sind.
Aber man kann das auch ganz anders umsetzen. Nicht so regelmässig, nicht so stur nach nur einem einzigen einfachen Wiederholungsprinzip. Wie wär’s mit ein paar Schrägen? Oder mit unterschiedlichen Abständen?
Die GRIDSTER beruht auf einem Raster, das eher einem geometrischen Teppichmuster ähnelt als einem Gestaltungsraster. Es wirkt noch halbwegs geordnet, aber es führt zu eigenwilligen Formen, will man daraus so etwas vermeintlich Festgefügtes wie die lateinischen Buchstaben formen.
Wenn es also nicht unbedingt lesbar sein soll … warum denn nicht…?





































































