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| Die Blütezeiten typografischer Gestaltungskunst sind in der Design- Geschichte nur wenige kurze Epochen. Dazwischen: Zeiten biederen Desinteresses an den schönen Dingen. Diese Hoch-Zeiten und Niedergänge fanden und finden in den verschiedenen Kultur- Regionen zu unterschiedlichen Zeiten statt, und sind meist durch die politischen Umstände bedingt. | 1440 |
Gutenberg Die Kunst der Typografie begann im Jahre 1442 mit einem bis heute unerreichten Meisterstück - der 42-zeiligen Bibel, gedruckt und gestaltet von Johannes Gensfleisch aus Mainz, genannt Gutenberg. Gutenberg entwarf und goss die Schon Gutenberg druckte neben Büchern auch Flugblätter, Kalender und andere zweckgebundenen Drucksachen. |
1480
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Augsburg Kaiser Maximilian Fraktur Die deutsche Typografie ist in den Anfängen stark von den Ambitionen Kaiser Maximilian I. beeinflusst worden. Maximilian beauftragte um 1510 den Augsburger Drucker Johann Schönsperger mit der Herstellung mehrerer Bücher nach den Vorstellungen des kunstsinnigen Kaisers. Als Schrift wählte er die kaiserliche Kanzleischrift, die Schönsperger zur Urform der Fraktur vervollkommnete. An der Gestaltung der Bücher waren die damals berühmtesten Künstler beteiligt, unter ihnen Hans Baldung Grien, Albrecht Dürer und Lucas Cranach. |
1500
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Venedig Antiqua Von Deutschland aus verbreitete sich die neue Kunst schnell über ganz Europa. In Venedig verhalf der äusserst geschäftstüchtige Drucker und Verleger Aldus Manutius der Druckkunst zu hoher Blüte. Zu seinen Kunden gehörte die gesamte humanistische Geisteselite in ganz Europa. Und dieser Kundenkreis wünschte sich die alten Klassiker gedruckt im modernen "Renaissance"- Stil. Aldus Manutius beschäftigte die begabtesten Stempelschneider seiner Zeit, die all die Schriften schufen, die heute noch verwendet werden. Dass sich die Antiqua als Druckschrift gegenüber den "gotischen" Schriften durchgesetzt hat, geht auf den Einfluss des Aldus und seiner Kunden zurück. Er druckte als erster mit einer Antiqua- Kursive. Für Aldus wurde 1499 auch die "Bembo" geschaffen. In Venedig entstanden noch andere vorbildliche Schriften, zum Beispiel die Antiqua des Nicolas Jenson. |
1600
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Frankreich, Holland, England Mit dem Siegeszug der Reformation im 16. Jahrhundert entwickelte sich in Mitteleuropa die Fraktur zur vorherrschenden Schrift. |
1700
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Neue Techniken Mit den Aufkommen und Verfeinern von Drucktechniken wie Kupferstich und Radierung veränderte sich das ästethische Empfinden. So veränderten auch die Buchstaben langsam ihr Gesicht. Die kräftigen Formen der Renaissance wichen den weicheren, des Barock. Bisher dominierte der aus der Handschrift übernommene natürliche Duktus mit seinem angenehmen Wechsel der Strichstärken. Im Kupferstich gibt es keinen natürlichen Duktus. Die Stempelschneider übernahmen das reizvolle Wechselspiel von sehr feinen Linien und dunklen breiten Strichen in ihre Lettern. So entstanden Druckschriften mit sehr feinen Serifen und Haarstrichen im Kontrast zu den fetten Grundstrichen. |
1780
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Bodoni
Einzig im nicht so fortschrittlichen Italien bewahrte die Kunst ihren Stellenwert im öffentlichen Leben. Und dort, in Parma, gelingt es dem Drucker und Stempelschneider Giambattista Bodoni, eine gänzlich neuartige Antiqua zu entwerfen. Seine Schrift bringt ihm weltweit den Ruf eines "Königs der Typographen" und "Drucker der Könige" ein. Er erfand die klassizistische Schrift, wie sie heute noch auf der ganzen Welt verwendet wird. Die klassizistische Antiqua mit ihrem starken Kontrast von Grund und Haarstrichen und den geraden Serifen passte ideal in die Zeit. |
1830
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Industrialisierung Qualitätsverfall Die zunehmende Technisierung und Industrialisierung hat im 18. und 19. Jahrhundert in ganz Europa einen drastischen Niedergang der künstlerischen Qualität zur Folge. Altes Wissen geht verloren. In ganz Europa stürzen sich die Schriftgiesser auf die neuen Möglichkeiten der Technik, und werfen so ständig immer sprödere, gekünsteltere Schriften auf den Markt. |
1815
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Niedergang, Experiment, Moderne Der allgemeine Niedergang der Künste im 19. Jahrhundert war eine Folge der Industrialisierung und ihrer politischen und sozialen Begleiterscheinungen. Neue Techniken boten aber auch den Schriftschöpfern neue Möglichkeiten. Eine Phase der Experimentierwut setzte ein. Es entstanden unzählige aus heutiger Sicht skurrile, abwegige Schriften. Meist handelte es sich um überladen ornamentierte Versalschriften. |
1890
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William Morris Erneuerung Am Anfang moderner Gestaltung stand als Gegenbewegung zur industriellen Beliebigkeit die Rückkehr zu traditionellen Ausdrucksformen. In England schuf William Morris seit 1890 mit seiner Privatpresse wegweisende Werke der Buchkunst. Aus dieser Erneuerungsbewegung entstand ab 1900 besonders in Deutschland eine Blütezeit der Typografie. Erstmals erhielt wieder eine neue Generation von Schriftkünstlern eine fundierte Ausbildung. |
1920
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Goldene Zeiten Sehr viele der heute berühmten und beliebten Schriften wurden in diesem Umfeld in den Jahren 1920 bis 1939 neu überarbeitet oder ganz neu entworfen: Aldus Manutius' Bembo von 1499 und Jensons Centaur von 1470 kamen bei Monotype 1929 neu heraus, bereits 1925 war die Baskerville wiedererweckt worden, Stanley Morison entwickelte 1932 die Times New Roman. Bei Stempel wurde 1925 die Garamond neu aufgelegt. Die Bauersche Giesserei verhalf 1926 der Bodoni zu neuer Bekanntheit. |
1930
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Akzidenz Am meisten tat sich auf dem Gebiet der Akzidenz-Schriften. Neue Schriften für neue Anwendungen wurden entworfen: 1921 die Cooper Black von Oswald Cooper, die Neuland von Rudolf Koch 1923, die Stencil 1938. 1930 entwarf Georg Trump die City. |
1950
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Nach dem Krieg Aus den avantgadistischen Bewegungen der Vorkriegszeit ging in den meisten Ländern eine stark konservativ geprägte Typographen- Generation hervor. Anders in Deutschland. Hier entstanden in sehr kurzer Zeit zahlreiche neuartige Schriften, die die Typografie auf der ganzen Welt nachhaltig beeinflussten. |
1970
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Amerika In den USA entwickelte sich in den 60er Jahren eine eigenständige Ästhetik. Von Traditionen unbelastete Designer entwickelten neue Schriften, die so recht in die kommerzorientierte Zeit passen. Die Technikbegeisterung tat ein übriges, es wurde in jeder Richtung experimentiert, mit zum Teil erstaunlichen Ergebnissen. |